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Erfolgreiche Therapie erst nach Jahren erhalten
Die Ursache von Belastungsinkontinenz liegt häufig in der Besonderheit der weiblichen Anatomie. Das weibliche Schließmuskelsystem ist anfälliger und verletzbarer als das männliche. Organische und biochemische Veränderungen, häufige Blasenentzündungen oder hormonelle Umstellungen durch Schwangerschaften oder Wechseljahre können Blasenschließmuskel und Beckenbodenmuskulatur schwächen und zu einer Senkung der Beckenorgane führen. Blasenschwäche kann deshalb auch bei jungen Frauen auftreten – etwa in Folge einer Geburt, wie bei Anneliese Gresse. Seit der Geburt ihrer Tochter vor 37 Jahren litt die heute 61-Jährige unter Blasenproblemen, die ihren Alltag stark beeinträchtigten.
"Meine Blase bestimmte mein ganzes Leben. Ich musste tagsüber mindestens jede Stunde zur Toilette. Nachts stand ich bis zu fünf Mal auf und schlich mich im Dunkeln aus dem Zimmer, um meinen Mann nicht zu wecken. Natürlich war ich dann tagsüber oft müde, denn ich konnte nicht immer wieder sofort einschlafen. Besonders schlimm war für mich, dass ich nicht mehr einfach unterwegs sein oder längere Reisen unternehmen konnte. Die Nachbarorte waren noch erreichbar – da kannte ich auch alle Toiletten – aber weitere Entfernungen wurden zur Qual. Alle Unternehmungen, die mehr als eine halbe Stunde Autofahrt erforderlich machten, waren nahezu unmöglich. Dazu gehörten ganz normale Dinge wie Einkaufen, mal eben zur Post fahren oder ein Spaziergang im Wald. Meine Tochter lebt im Ausland. Reisen zu ihr wurden immer schwieriger.
Mit der Zeit hatte ich einen Blick dafür entwickelt, wo denn wohl eine Toilette sein könnte. Es ist wirklich sehr belastend, ein Leben zu führen, in dem sich alles nur darum dreht, ob und wo man die nächste Toilette findet – und ob man schnell genug da ist.
Auf die Idee, dass ich an einer Krankheit leide, für die es Hilfe geben könnte, kam ich nicht. Ich dachte, ich müsste das eben so hinnehmen und damit leben. Hätte ich nicht den Arzt gewechselt, und hätte er mich nicht auf die Blasenprobleme angesprochen, wäre ich jetzt immer noch nicht in der Lage, ein normales Leben zu führen. Heute ist es für mich unvorstellbar, so lange im Stillen gelitten zu haben!"
Es dauerte sieben Jahre, bis Frau Gresse zum ersten Mal von einem Arzt gefragt wurde, ob ihre Blasenfunktion normal sei. Mehrere Operationen zur Beckenbodenstabilisierung brachten nur kurzfristige oder gar keine Besserung der Symptome. Heute nimmt Anneliese Gresse einmal täglich eine Tablette und kann wieder selbst entscheiden, wann sie eine Toilette aufsuchen möchte.